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  • Klaus Dingeldein

    Sijo Klaus Dingeldein  Präsident der EVTF

    Klaus Dingeldein gründete die EVTF im Jahre 1998. Er begann im Kindesalter mit dem Karate- und Judotraining. Mit acht Jahren wechselte er dann ins Freistilringen und Boxen und blieb diesen beiden sehr realistischen Kampfsportarten über viele Jahre treu.

    Mit neunzehn Jahren startete er sein VingTsun-Studium. Dort, beim damals einzigen europäischen VingTsun Verband, avancierte Si Jo Klaus Dingeldein nach kurzer Zeit zum Cheftrainer und erhielt in wenigen Monaten des Trainings und Studierens Graduierungen, für die andere viele Jahre benötigten. Sigung Dingeldein ist in der Geschichte des VingTsun-Systems eine Ausnahmeerscheinung. Klaus Dingeldein konnte das komplette System am schnellsten und in kürzester Zeit erlernen. Dies wird in der fünfhundertjährigen Geschichte des Systems wohl einzigartig bleiben. Sijo wurde auf ausdrücklichen Wunsch seines deutschen Mentors und des Großmeisters aus Hongkong technischer Direktor der Organisation.

    Über viele Jahre leitete er die Studiengänge zur Lehrerausbildung. Auch standen immer wieder internationale Lehrgangsreisen auf seiner Agenda, die ihn bis nach Afrika, Amerika, Südamerika und China führten. Er bildete Führungsoffiziere von Militäreinheiten und Polizeispezialkommandos auf den verschiedenen Kontinenten aus. Si Jo Dingeldein unterrichtete auf Seminaren Nationalteams der verschiedensten Kampfsportarten vieler Länder im VingTsun. Begleitend dazu hielt er Vorträge an internationalen Hochschulen und Akademien und präsentierte so die Kampfkunst VingTsun einer breiten internationalen Öffentlichkeit. Viele internationale Auftritte in Funk und Fernsehen rundeten seine Karriereentwicklung ab.

    In internationalen Fachkreisen wird die EVTF weltweit heute als die VingTsun-Organisation mit dem technisch- und sportwissenschaftlich höchsten Standard bewertet.

     


  • Klaus Dingeldein

    Die Geschichte von Sijo Klaus Dingeldein


    VingTsun und Bruce Lee  der erste Kontakt


    Bereits als kleiner Junge war ich fasziniert von asiatischen Kampfkünsten und dem Mann, der mit seinen fantastischen Filmen die ganze Welt begeisterte und in seinen Bann zog! Was war das für ein Stil, den Bruce Lee ( 李⼩龙 ) gelernt hatte? Wo trainierte er und bei wem? Diese Fragen interessierten mich brennend! Das Geheimnis war schnell gelüftet. Bruce Lee hatte in Hongkong einige Jahre VingTsun bei dem berühmten Meister Yip Man gelernt. Der Entschluss VingTsun zu lernen war gefasst. Ich wollte direkt nach Hongkong reisen, Groß- meister Yip Man und natürlich auch Bruce Lee kennenlernen und mit dem Training beginnen. Eine Schule zu leiten, Schüler auszubilden, VingTsun-Meister und weltberühmt werden:
    - eine Kleinigkeit für mich! Gesagt, getan!

    Doch ich hatte bei meinem Entschluss etwas Wichtiges nicht bedacht: Das Ganze musste ja finanziert werden! Außerdem war ich ja erst sechs Jahre alt und meine Eltern könnten vielleicht etwas dagegen haben ...

    Meine kühnen Pläne musste ich also erst einmal zurückstellen. Somit begann ich das Kampfkunst-Training im Alter von sechs Jahren nicht direkt in Hongkong, sondern in meinem Wohnort mit Shotokan-Karate und Taekwondo. Dann wechselte ich mit neun Jahren zum Boxen und dem Freistilringen und blieb diesen ausgezeichneten und realistischen Kampfkünsten viele Jahre treu. Die nächste VingTsun-Schule befand sich zum dama- ligen Zeitpunkt ca. 700 km weit weg in Kiel. Das war für einen kleinen Jungen schon damals eine ziemlich gro- ße Entfernung und meinem Vater, ein Architekt und Bauingenieur der alten Schule, war damals auch sehr schwer klarzumachen, dass es zwischen dem VingTs- un-Stil und der ortsansässigen Karate- und Taekwon- do Schule "gewisse Unterschiede" gibt!

    Hätte ich damals gewusst, wie mein Leben verlaufen wird! Dass ich einmal die Menschen kennenlerne, die mit Bruce Lee trainiert und gelebt haben, dass ich mich in Amerika mit Schülern von ihm treffe und einige davon zu meinen Freunden zählen würde! Hätte ich damals gewusst, dass ich von den besten Meistern ihrer Zeit VingTsun im Privatunterricht er- lernen werde, dass ich regelmäßig nach Hongkong reise und alle Orte kennenlerne, wo Bruce Lee sich in den Straßenschluchten dieser geheimnisvollen Metropole die ersten Kämpfe geliefert hat!

    Hätte ich gewusst, dass ich einmal viele noch lebende direkte Schüler von Großmeister Yip Man kennenlernen werde und mich mit SiuYuk Men, einem der ersten seiner Schüler, oft zum Gedan- kenaustausch treffe und uns eine von tiefem Respekt geprägte gemeinsame Freundschaft verbin- den wird? Hätte ich gewusst, dass ich einmal die European VingTsun-Federation
    (EVTF) gründen werde und mit dem Unterrichten dieser einzigartigen Kampfkunst mein Leben verbringe? Dass ich mich rast- los zwischen den Kontinenten dieser Erde bewege, um den Menschen dieses Planeten VingTsun beizubringen, und einmal in unzähligen Ländern Schüler und Freunde haben werde?

    Ich muss bei allen diesen Gedanken schmunzeln. Ich denke, dass sich nicht viele Menschen ihren Lebenstraum so erfüllen können, wie ich dies getan habe. Meine Begeisterung und Motivation für mein VingTsun ist nach 33 Jahren immer noch so groß wie in der ersten Minute, als ich als kleiner Junge Bruce Lee zum ersten Mal auf der Kinoleinwand sah und ich den
    Entschluss fasste, VingTsun-Meister zu werden! Nach dem Abitur und einem kurzen Ausflug in das Studium der
    Betriebswirtschaft begann ich mit 20 Jahren mein wirkliches und einziges Studium, das mich mein Leben lang begleiten wird: Das VingTsun!


    Meine Lehr- und Studienjahre in Schloss Langenzell

    Auf meinen späteren Sifu und Mentor, Keith R. Kernspecht, wurde ich schon Jahre zuvor durch seine Beiträge über VingTsun in internationalen Fachmagazinen aufmerksam. Er unterrichtete und lebte damals noch im norddeutschen Kiel.

    Als mein Sifu Kernspecht seinen Lebensmittelpunkt in die Nähe von Heidelberg verlagerte und ich die finanziellen Mittel hatte, mein VingTsun-Studium bei ihm zu beginnen, startete ich in den frühen 80er Jahren meine "VingTsun-Lebensreise", wie ich es gerne nenne. Im damaligen Hauptzentrum meines Sifus in Schloss Langenzell bei Heidelberg begann alles. Die schwierige Prüfung zum zwölften Schülergrad, der damals die höchste Graduierung in der VingTsun-Grundausbildung darstellte und diese abschloss, absolvierte ich nach bereits fünf Monaten intensivsten Trainings bei meinem Sifu. Er hatte als Pionier das VingTsun-System in Europa eingeführt und die erste VingTsun-Organisation gegründet und begonnen, es systematisch zu verbreiten. Meinem Lehrer ist es zu verdanken, dass das VingTsun-System seinen Weg nach Europa gefunden hat.

    Fraglich ist es, ob ohne ihn das VingTsun-System überhaupt in dieser durchschlagenden Qualität so bekannt geworden oder überhaupt jemals nach Europa gekommen wäre! Sein unermüdliches Schaffen in den Anfangsjahren gab dem System schon zu Beginn den Stellenwert und das An- sehen, das es heute als die wahre Krönung der asiatischen Kampfkünste verdient.
    Besonders hatten mich am Anfang die Unterschiede interessiert, die so genannten Unterscheide zwischen den Stilrichtungen innerhalb des VingTsun Systems:

    VingTsun, WingTsun, WingChun,VingTschun, VingChun. Ich habe erfahren, dass es nur eine reine Lehre des Stils gibt! Die vielen Lehrer, die VingTsun heute unterrichten und weitergeben, hatten und haben lediglich eine unterschiedliche Auffassungsgabe!

    Einfach ausgedrückt: Jeder kapiert anders! Hatte also einer der vielen und unzähligen VingTsun,WingChun oder VingChun Lehrer, die sich auf der Welt tummeln, nicht jahrelangen Privatunterricht bei einem der wirklichen Großmeister: Nehme sofort Reißaus und zahle dein sauer verdientes Geld an einen wirklichen Meister. Nicht an einen der hunderttausenden Spinner, die mit Halbwissen gutgläubige Schüler täuschen!

    Weitere vier Monate später erreichte ich die Graduierung zum ersten Lehrergrad. Die Urkunde zum zweiten Lehrergrad konnte ich von meinem Sifu und meinem Sijo, Großmeister Leung Ting nach nur weiteren sechs Monaten des intensiven Lernens und Studierens in Empfang nehmen. Natürlich hatte ich in der damaligen Organisation meines Sifus in diesen
    ersten Jahren viele Nei- der. Ich war jung und hatte in jener Zeit eine, vorsichtig ausgedrückt, sehr aggressive Art zu trainieren und war im Umgang mit meinen Trainingspartnern und Kollegen nicht sehr zimperlich.

    Dort erlangte ich auf Grund meiner enormen Fähigkeiten im VingTsun-System und meiner Kampf- kraft nach nur wenigen Monaten europaweit einen enormen Bekanntheitsgrad. Es gab zu dieser Zeit dort nur einige wenige, die mit mir in den Chi-Sao-Fähigkeiten und der Kampfkraft mithalten konnten. Diese wenigen trainierten damals jedoch schon 15 Jahre oder weitaus länger als ich! Viele Ausbilder und Lehrer, die mir den schnellen Aufstieg aus Neid nicht gönnten, bezeichneten mich bei meinen Sifu als "Emporkömmling, Sifus Liebling..." und mit noch weit weniger unschönen Bezeichnungen.

    Viele empfanden meinen schnellen Erfolg und meinen kometenhaften Aufstieg in der EWTO als "ungerecht" ihnen gegenüber. Einige forderten meinen Sifu sogar auf, mir meine erworbenen Gra- duierungen wieder wegzunehmen oder mich langsamer im System vorankommen zu lassen. Mein Sifu erzählte mir diese Dinge immer abends, nachdem das Tagwerk vollbracht war und wir beim Abendessen in seiner Privatwohnung im Schloss oft noch bis spät in die Nacht gemeinsam zu Be- sprechungen und zum Gedankenaustausch zusammensaßen - immer mit einem Lächeln auf den Lippen. Auf meine Frage, was er den Neidern antwortete, entgegnete er mir am Anfang:

    "Wenn jemand neidisch ist oder sich über dich beschwert, sage ich ihnen immer Folgendes: Macht mit Klaus Chi-Sao oder haut ihn einfach um! Wer es von euch Fortgeschrittenen schafft, möge mir sofort Bescheid geben. Dann nehme ich ihm seine Urkunden wieder weg und stufe ihn zurück."

    Ich habe meine Urkunden und Graduierungen alle behalten. Mehr muss ich den geneigten Lesern dieses Buches wohl dazu nicht erklären. Ich war fanatisch am Trainieren und Unterrichten. Mit meiner ebenso fanatischen Trainings- und Lernintensität konnte ich unter den kritischen Augen meiner Lehrer das komplette VingTsun-System in insgesamt nur knapp vier Jahren erlernen. Wie das machbar war? Das möchte ich in den folgenden Sätzen verständlich verständlich machen.


    Das VingTsun-Training als Lebensinhalt

    In jenen Jahren lernte und trainierte ich jeden Tag ca. 10-12 Stunden VingTsun. Ich arbeitete wie besessen an meiner Karriereentwicklung. Und das von Montag bis Sonntag! Woche für Woche, Monat für Monat, Jahr um Jahr. Dieses unglaubliche Trainingspensum habe ich weder damals noch heute bei niemandem jemals wieder gesehen. Ich reiste im Auftrag meiner Lehrer auf dem europäischen Kontinent hin und her, meine Lehrgangsreisen führten mich über die USA und Südamerika bis nach Afrika.


    Das Glück der Stunde und der Lohn für meinen Fleiß

    Auch kam mir in meiner Lebenssituation ein wenig das Glück der Stunde, so empfinde ich es zumindest heute, zugute.

    Der Verband meines Lehrers befand sich damals in vollem Aufbau. Als ich nach nur kurzer Zeit von meinem Sifu Kernspecht und von Großmeister Leung Ting aus Hongkong zum Cheftrainer der Lehrerausbildung im Verband meines Lehrers berufen wurde, war es natürlich wichtig, dass ich die vielen unterschiedlichen und umfangreichen Programme des VingTsun-Systems exzellent beherrschte und an alle Lehrer und Trainer unterrichten konnte. Und dies natürlich in perfekter Weise!

    Für viele, die in der Organisation meines Lehrers VingTsun schon seit 15 Jahren oder länger lernten und unterrichteten, war es damals sicherlich schwierig, einem jungen Mann zu folgen und sich von ihm ausbilden zu lassen, der weit weniger an Dienstjahren auf dem Buckel hat wie sie selbst.

    So wurde ich technisch auf die präziseste Weise ausgebildet und genau, schnell und effektiv durch das VingTsun-System geführt. Mein großes Wissen und meine hohen technischen Fähigkeiten sind das Resultat aus der Erfordernis der täglichen Lehrerausbildung im gesamten Verband meines Lehrers zur damaligen Zeit.

    Ich wollte das System unbedingt in Perfektion erlernen und trainierte, studierte und unterrichtete VingTsun mit einem unglaublichen Fanatismus und großer Detailverliebtheit. Die Lernideen und Konzepte, wie man die VingTsun-Bewegungen optimal übt und die Möglichkeiten, sich die Techniken aus diversen Blickwinkeln und Übungsmethoden perfekt anzueignen, vermittelte mir mein Sifu, der von seinem Lehrer, Großmeister Leung Ting und dieser wiederum vom verstorbenen Großmeister Yip Man ebenfalls so gelernt hatte.

    Das Verstehen und das Umsetzen der VingTsun-Philosophie, durchdrungen zu werden von den Bewegungen, eins zu werden mit dem System und all dies mit dem tiefen Verständnis, dass alles logisch, kompliziert und letzten Endes doch einfach ist, all dies brachten mir meine Lehrmeister in diesen Jahren auf perfekte Art und Weise bei.

    Ursprünglich war von mir und meinem Sifu geplant, dass ich damals als Nationaltrainer nach Frankreich gehen sollte, um das Land für VingTsun zu erschließen und aufzubauen. Er machte mir eines Abends auf dem Schloss einen anderen Vorschlag, der für mich zum damaligen Zeitpunkt der Erfüllung eines Lebensraums gleichkam. Auf Anregung von Großmeister Leung Ting sollte ich die Aufgabe des Cheftrainers in Schloss Langenzell übernehmen!

    Ich war verantwortlich für die Trainer-Ausbildung im damaligen Hauptzentrum sowie für nationale und internationale Lehrgangsaufgaben im Auftrag von Großmeister Leung Ting und meinem Sifu. Ich hielt Vorträge und Seminare an den verschiedensten öffentlichen Institutionen und Behörden und hatte viele Auftritte und Interviews im Rundfunk- und im Fernsehen.

    Die wenige verbliebene Freizeit verbrachte ich, wann immer es uns beiden möglich war, gemeinsam mit meinem Mentor und Sifu. Dieser war in diesen bewegten Jahren des VingTsun-Lernens und Studierens die wichtigste Person in meinem Leben und wie ein wirklicher Vater für mich.

    Mein Sifu Keith Kernspecht gewährte mir tiefe Einblicke in seine Gedankenwelt und Erfahrungen mit der Kampfkunst und sein bewegtes Leben. Der gedankliche Austausch mit Sifu prägte meinen gesamten Lebensweg entscheidend.

    Mein Sifu ermöglichte mir in dieser Zeit den Zugang zu seiner privaten Bibliothek, der wahrscheinlich umfangreichsten Kampfkunstbibliothek der Welt, die tausende von Büchern umfasst. Ich hatte in diesen Jahren jedes Buch in meinen Händen und verschlang förmlich deren Inhalte.

    Die große Motivation, im VingTsun-System der Beste zu werden, das ständige Lernen unter meinen Lehrmeistern Leung Ting und Keith Kernspecht und die ungezählten gemeinsamen Stunden dieser Jahre, die ich im Training sowie im Gedankenaustausch mit ihnen verbringen konnte, ließen mich zu einem wahren VingTsun-Experten reifen.


    Die Einzigartigkeit meiner VingTsun-Karriere aus ganz persönlicher Sicht

    Niemand kann jemals wieder von beiden Meistern gleichzeitig studieren und VingTsun-Unterricht erhalten. Das Wissen über das System von ihnen koordiniert zu erfahren und zu erlernen, ist auf Grund der aktuellen Entwicklung der individuellen Lebenswege und Entwicklungen meiner Lehrer von einer einzelnen Person nicht mehr möglich.

    Wahrscheinlich war und wird in der großen Geschichte des VingTsun-Systems diese einzigartige Kombination von reinem technischem Wissen, dem eigentlichen Technik-Transfer und tiefem philosophischen Grundverständnis über VingTsun in allen Zeiten seit Anbeginn des Systems auf vor über 500 Jahren bis heute einmalig bleiben.

    Ich habe mein Können und Wissen von meinen Lehrern in langen Jahren des Trainings mit tausenden Stunden, Seite an Seite mit Ihnen aus erster Hand erhalten. Dafür bin ich meinen Lehrern Sijo Leung Ting und Sijo Keith Kernspecht zu tiefstem Dank verpflichtet und werde beiden ein Leben lang in Treue, Liebe, und Freundschaft zutiefst verbunden bleiben.

    Im Jahre 1998 gründete ich die EVTF, die European VingTsun-Federation. Der Rest ist Geschichte.
    Sijo Klaus Dingeldein, April 2020.